Buch-Geschichten

6:15 Uhr

Illustration: Annette Wincowski

Wer an einer belebten Straße wohnt, muss geräuschtechnisch so einiges aushalten, hat dafür aber ein kostenfreies und fortwährendes Unterhaltungsprogramm. Als sich die Erzählerin eines Werktags morgens um 6.15 Uhr notgedrungen in eben dieses einklinkt, wird auf dem Grünstreifen gegenüber gerade das Stück „Vier Lebewesen und ein Kleks Erbrochenes“ gegeben. Auf der Hauptbühne – nennen wir sie Parkbank A – sitzen ein Junge und ein Mädchen, wild flirtend. Auf der Nebenbühne – nennen wir sie Parkbank B – liegt ein junger Mann, wild schlafend. Unter ihm: sein Mageninhalt.
Da betritt aus dem Hintergrund die Hauptdarstellerin die Szene. Braunes Haar, leichter Überbiss, langer Schwanz, wild krabbelnd. Sie interpretiert ihre Rolle als Allesfresser famos. Einen Haps aus dem Kleks, zack ins Gebüsch. Näschen vorstrecken, Lage sondieren, Mjam, ab ins Versteck. Auf B wird weiter genickt, auf A wünschte man sich wohl selbiges mit F. Ein ausbaufähiger Start in den Tag: ein balzendes Pärchen, ein ausgekotzter Junge und eine recycelnde Ratte.
Guten Morgen.

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